So gestalten Sie Ihre Wohnung barrierefrei.

 

Der demografische Wandel erfordert, dass die Wohnungsangebote in Zukunft barrierefreies Wohnen ermöglichen. Denn als Mieter oder Hauseigentümer möchte man auch im Falle einer Pflegebedürftigkeit im eigenen Zuhause leben können. Dafür muss aber die Voraussetzung einer altersgerechten Wohnsituation gegeben sein – dies stellt die Raum- und Wohngestaltung vor eine Herausforderung.  Daher geben wir Tipps zum Thema „barrierefrei Wohnen“.

 

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Früh mit dem Thema „barrierefrei Wohnen“ auseinandersetzen

Die aktuelle Studie von Thyssenkrupp „Wohnen im Alter 2016“ zeigt, dass sich die Deutschen viel zu spät mit dem Thema „barrierefrei Wohnen“ auseinandersetzen. Lediglich 23 Prozent im Alter zwischen 40 und 49 Jahren beschäftigen sich mit der eigenen barrierefreien Wohnsituation im Alter. Bei den Betroffenen ab 60 Jahren sind es sogar nur 59 Prozent. Dabei steigt das Verhältnis von Menschen im Rentenalter ab 65 zu solchen im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 64 Jahren von 34 Prozent in 2013 auf bis zu 58 Prozent in 2035, im Jahr 2060 sogar auf bis zu 69 Prozent. Also höchste Zeit, über das Thema „barrierefreies Wohnen“ nachzudenken. Das hat auch der Staat erkannt und passt seine Fördermaßnahmen immer besser an. Und auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fördert den Abbau von Hindernissen im eigenen Zuhause.

 

Ab wann gilt eine Wohnung als barrierefrei?

Eine Wohnung gilt dann als barrierefrei, wenn keine Stufen überwunden werden müssen, alle Türen breit genug sind, um sie mit Krücken, Rollstuhl oder Rollator durchgehen zu können. Außerdem sollten Armaturen, Lichtschalter und Türgriffe einfach zu erreichen sein. Im Badezimmer sollte darauf geachtet werden, dass alle Sanitäranlagen leicht zugänglich sind und Haltegriffe an den Wänden montiert sind. Die Bodenbeläge sollten rutschfest und trittfest sein. Eine barrierefreie Wohnsituation ist für alle Altersgruppen von Vorteil, denn auch in jungen Jahren kann ein Unfall eine Beeinträchtigung nach sich ziehen.

 

Barrierefreies Badezimmer

Altersgerechte Ausstattung und höchste Ansprüche an die Ästhetik schließen sich heute nicht mehr aus. Immer mehr Designer reagieren auf den demografischen Wandel. Wer sein Badezimmer barrierefrei einrichtet, garantiert sich für später nicht nur einen wohnlichen Vorteil, sondern genießt von Beginn an einen luxuriösen Komfort: Walk-In-Dusche, körperwarme und berührungslose Armaturen, höhenverstellbares WC, rutschhemmende Fliesen. Stellen Sie sicher, dass Badezimmermöbel fest auf dem Boden stehen oder fixieren Sie sie an den Wänden. Außerdem sollten die Möbel über abgerundete Ecken verfügen. Um eine optimale Bewegungsfreiheit zu gewährleisten, sollte genügend Platz im Raum vorhanden sein. Verzichten Sie auf sperrige oder unnötige Möbel. Die Bewegungsfläche vor dem Waschtisch und dem WC sollte 120 x 120 cm betragen. Darüber hinaus erleichtern Türen und Schubladen, die sich mit einem leichten Druck von alleine öffnen, den Alltag. Werden Haltegriffe, Einstiegshilfen oder Stangen benötigt, sollte man darauf achten, dass die Wände stabil genug sind.

 

Barrierefrei: minimalistische Badezimmer von HS Raumkonzept GmbH

 

Barrierefreie Küche

Die Küche ist auch für Menschen im Alter oder mit Behinderung ein natürlicher Lebensmittelpunkt. Sie darf bei der Planung für eine barrierefreie Wohnsituation nicht außen vorgelassen werden. In der Küche wird nicht nur gekocht oder gegessen, die Küche ist ein geselliger Ort zum Verweilen. Da eine individuell auf die Bedürfnisse der Bewohner zugeschnittene Küche meist sehr teuer ist, lohnt sie sich in der Regel nur für Besitzer von Wohneigentum. Beachten Sie, dass jede barrierefreie Küche individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse des Nutzers zugeschnitten werden muss: seniorengerecht, rollstuhlgerecht, blindengerecht. Ein ausführliches Beratungsgespräch vor Ort, indem alle wichtigen Fragen vor der Planung geklärt werden, ist ein Muss. Ähnlich wie im Badezimmer muss der Raum über genügend Bewegungsfreiheiten verfügen, denn in einem Notfall muss die Küche auch mit Rollator oder Rollstuhl schnell zu verlassen sein. Sie sollten die Anschlüsse, Abflüsse, Schalter und Steckdosen leicht erreichen können, gegeben falls müssen sie versetzt werden. Bei der Planung einer seniorengerechten Küche sollten Elektrogeräte auf Hüfthöhe eingebaut werden, damit schmerzhaftes Bücken und Aufrichten vermieden wird. Zusätzlich sollten genügend Sitzmöglichkeiten zum Ausruhen während des Kochens vorhanden sein. Auch in der Küche müssen Sie heutzutage in Sachen Design keine Abstriche mehr machen.

 

Barrierefreie Küche von Küchen & Co

 

Barrierefreies Wohn- und Schlafzimmer

Das Wohnzimmer lädt zum Verweilen, Auspannen und Abschalten ein und jeder Bewohner gestaltet es sich nach seinen Vorstellungen individuell. Verzichten Sie bei einem barrierefreien Wohnzimmer aber auf Stolperfallen wie überlappende Teppiche oder Läufer. Wuchtige, kantige Möbel sind Stoßfallen und schränken die Bewegungsfreiheit zusätzlich ein. Lassen Sie sich Ihre Sitzmöbel individuell  auf Ihre Sitzhöhe anpassen, der Wohnzimmertisch sollte in optimaler Reichweite stehen, damit Fernbedienung, Telefon und Co. bequem und schnell zu erreichen sind. Eine gute indirekte Beleuchtung ermöglicht auch am Abend noch Hobbys wie Lesen, Handarbeiten oder Gesellschaftsspiele spielen. Im Schlafzimmer sollten ähnliche Voraussetzungen erfüllt sein. Zusätzlich sollten Sie den Kleiderschrank nachrüsten: ausklappbare Kleiderstangen, gutes Lichtkonzept und genügend Bewegungsfreiheit im Inneren.

 

Quelle: freshideen.com

 

Planung und Förderung

Zum Teil kann der Bedarf an altersgerechten Wohnungen durch Neubauten gedeckt werden, allerdings steht die Anpassung an barrierefreie Wohnsituationen des Wohnungsbestands im Vordergrund. Um im Ernstfall vorbereitet zu sein, ist es daher sinnvoll, gerade hier frühzeitig präventiv tätig zu werden. Oft reichen schon kleine bauliche und/ oder zweckmäßige Veränderungen aus, um trotz alters- oder krankheitsbedingter Einschränkung in den eigenen vier Wänden leben zu können. Erforderliche Umbauten und Wohnraumanpassungen bedürfen hingegen einer weitgehenderen und sorgfältigen Planung, bei der die jeweiligen baulichen Gegebenheiten berücksichtigt werden müssen. Finanzielle Unterstützung erhalten Betroffene zum Beispiel von der Kreditanstalt für Wiederaufbau („KfW-Zuschussförderung für den Einbruchschutz und die Barrierereduzierung“, „Altersgerecht umbauen – Programm 159“). Für das Jahr 2017 wurde der Zuschuss von 49 Mio. auf 75 Mio. erhöht. Auch das Land Nordrhein-Westfalen bietet als Leistungsträger Zinsgünstige Darlehen für den Abbau von Barrieren. Wenn Sie planen Ihren Nebau barrierefrei zu gestalten, sollten Sie sich nach der DIN-Norm 18040 für barrierefreies Planen, Bauen und Wohnen richten.

Mehr Infos unter:

https://www.barrierefrei-bauen.de/text/66/de/barrierefrei-bauen-und-wohnen.html