Knapper Wohnraum, zunehmende Urbanisierung – Wohnraumgestaltung in Metropolen und Großstädten wird für Mieter und Eigentümer eine immer größer werdende Herausforderung. Offene Räume und großzügige Wohnflächen sind eine Seltenheit und oft mit einem sehr hohen Budget verbunden. Kleine Wohnungen oder Räume können mit ihrem Charme überzeugen und eine tolle Wirkung haben. Das Wohnzimmer ist der Raum, in dem sich die meiste Lebens- und Familienaction abspielt. Mit Geschick und einfachen Guidelines, können kleine Räume Gemütlichkeit und Freiheit clever vereinen. 

Die richtigen Böden können ein Wohnzimmer größer wirken lassen

Oftmals wird die Wirkung von einem Bodenbelag etwas vernachlässigt oder nicht ausreichend durchdacht. Doch auch ein Boden kann eine große Auswirkung auf das Raumgefühl haben. So kann mit der Auswahl des bestmöglichen Bodenmaterials und der Bodenfarbe ein Raum wie ein kleines Wohnzimmer schnell größer wirken als er eigentlich ist. Was ist dabei zu beachten?

Ein freier Fußboden kann Wunder wirken. Wir kennen das alle, wenn man vor einem Umzug in dem leeren Zimmer steht, scheint es viel größer, als wenn es eingerichtet ist. Der Trick dabei ist, dass wir die Bodenfläche als ein Ganzes sehen. Stehen erst Möbel darauf, wird diese Fläche scheinbar „beschnitten“ und wirkt automatisch kleiner. Beim Einrichten sollte daher darauf geachtet werden, möglichst viel Bodenfläche sichtbar zu lassen etwa durch Hängeregale und -boards.

Beim Boden sollte keine zu dunkle und keine zu knallige Farbe gewählt werden. Natürliche Töne oder mit viel weiß vermischte Farben bieten immer noch ein großes gestalterisches Spektrum. Fällt die Wahl auf einen Echtholzboden oder Laminat wirken helle Holztöne oftmals vorteilhafter als dunkle Töne, die das Licht im Zimmer schlucken und es allgemein dunkler wirken lassen.

Glänzende Holzböden reflektieren viel Licht und sorgen für eine zusätzliche Weite des Raumes. Wenn möglich sollte auf Türschwellen verzichtet werden. Am besten wäre ein Boden, der vom Wohnzimmer in den angrenzenden Flur verlegt wird, so entsteht kein Bruch, sondern ein schöner fließender Übergang. Bei geöffneten Türen wird die Bodenfläche als noch größer wahrgenommen. Vielleicht kann die Tür auch ausgehängt werden? Dies würde den Raum optisch noch stärker weiten.

Bei Teppichböden gilt für die Farben – je heller, desto besser. Hier ist zusätzlich noch eine Entscheidung zum Material und der Florlänge zu treffen. Entscheidend sollte die persönliche Vorliebe sein, ob die Wahl auf ein Naturmaterial oder eine synthetische Faser fällt. Bei der Florlänge gilt – je kürzer die Fasern des Teppichs sind oder je flacher der Teppich verarbeitet ist – umso besser ist dies auf die Wirkung des Raumes. Lange Fasern wirken sehr raumgreifend und lassen so ein Wohnzimmer kleiner wirken.

Vorteilhafte Muster sind ebenfalls wenig raumgreifend. Das bedeutet, dass diese Muster möglichst nicht zu bunt und chaotisch wirken sollten. Starke Hell-Dunkel-Kontraste sind ebenfalls suboptimal in kleinen Räumen. Am besten sind hier möglichst helle Farben und Ton-in-Ton-Muster mit kurzem oder flach gewebtem Flor.

Was die richtige Deckenhöhe bewirken kann

 Besonders im Altbau wirken Zimmer kleiner durch die oftmals sehr hohen Decken. Man hat schnell das Gefühl in einem Schacht zu stehen und die Zimmerwände wirken dadurch noch enger. Das ist eine optische Täuschung, die durch das Verhältnis von Deckenhöhe zu Bodenfläche des Raumes erzeugt wird.

Nun gibt es verschiedene Möglichkeiten, ein kleines Wohnzimmer mit hohen Decken größer wirken zu lassen. Die Decke sollte optisch wieder geradegerückt werden, damit das Größenverhältnis von Wandfläche zu Bodenfläche in einen harmonischen Zustand kommt.

Eine Möglichkeit wäre es zum Beispiel, die Decke abhängen zu lassen. Das bedeutet, das in Leichtbauweise eine Zwischendecke unter der tatsächlichen Decke angebracht wird. Diese Decke dient zum einen dem optischen Gleichgewicht. Andererseits kann sie sich auch positiv auf die Energiebilanz auswirken, da im Winter die warme Heizungsluft nicht mehr in den ungenutzten Raum in weiter Höhe strömt, sondern vorher durch die Zwischendecke gestoppt wird.

Eine weitere Option ist es, die Decke nur optisch niedriger aussehen zu lassen, indem man sie in einer dunkleren Farbe streicht. Generell sind dunkle Farben in kleinen Räumen nicht optimal. Aber wenn die Decke dunkler gestrichen wird als die Wände, die möglichst weiß oder zumindest sehr hell sein sollten, kann dies den gewünschten Effekt erzeugen. Ein bis drei Nuancen reichen oftmals schon aus. Ein Farbprofi kann die Angaben, die individuell von dem Wohnzimmer abhängen konkreter angeben.

Fenster und natürliches Licht

Viel Licht lässt auch kleine Räume größer wirken als sie sind. Große Fenster sind somit auch bei kleinen Wohnzimmern der Garant für die bestmögliche Nutzung des Tageslichts. Wer dies optimal nutzen möchte oder nur kleine Fenster hat, sollte mit Tricks arbeiten.

Das Tageslicht sollte möglichst ungestört in den Raum fließen können. Gardinen und große Pflanzen auf der Fensterbank sind aus diesem Grund eher hinderlich. Sie verdunkeln das Wohnzimmer unnötig. Besser sind hier kleine Pflanzen und Rollos, die bei Bedarf geschlossen werden können. Nach dem Sonnenuntergang möchte man besonders in der Stadt aber auch sonst im Erdgeschoss neugierige Blicke ausschließen und dazu sind Sichtrollos oder Verdunkelungsrollos bestens geeignet.

Kommen diese Rollos auch als Sonnenschutz am Tage zum Einsatz kann man zusätzlich auf eine farbliche Abstimmung mit der Wandfarbe achten.

So erreicht man ein harmonisches Raumgefühl. Die Fenster werden nicht als Unterbrechung wahrgenommen, sondern verschmelzen zu einer Einheit mit der Wand. Dies gilt übrigens auch auf die Farbwahl für Türen und Zargen.

Wohnzimmer Fenster makasa

Die Wirkung der Wände in einem kleinen Wohnzimmer

Die Auswahl der Farben für die Wände in einem kleinen Raum wie dem Wohnzimmer hat eine enorme Wirkung auf die optische Größe eines Raumes. Mit der richtigen Auswahl kann diese optische Größe über der in Quadratmetern gemessenen Größe liegen. Helle Farben sind hier immer eine gute Entscheidung. Weiß, gefolgt von dunkleren Weiß-Variationen oder abgemischte Pastelltöne sind ebenso sinnvoll wie ein sanftes Tapetenmuster in diesen Tönen. Tapeten könne auch in kleinen Wohnzimmern eine tolle Wirkung entfalten, wenn dies zu der Fläche des Raumes passt. Das bedeutet es sollte nicht zu großformatig ausfallen und keinen zu extremen Hell-Dunkel-Kontrast oder zu viele verschiedenen Farbtöne in sich tragen.

Dennoch ist in manchen Fällen eine gemusterte Tapete einer einfach gestrichenen Wand vorzuziehen, da sie den Raum strukturiert und ihm optische Ankerpunkte verleiht. So wirkt ein Raum mit einer tollen Tapete schneller schön eingerichtet als ein weiß gestrichenes Wohnzimmer. Es werden also weniger Möbel benötigt und das sorgt für mehr freie Bodenfläche.

Eine weitere Variante ist es, eine einzelne Wand in eine Spiegelwand zu verwandeln. So kann man das einfallende Tageslicht verstärken und gleichzeitig einen optischen Trick anwenden. Wird zum Beispiel die Wand gegenüber des Fensters komplett verspiegelt durch etwa Spiegelfliesen kann das einfallende Licht fast verdoppelt werden. Handelt es sich bei dem Wohnzimmer um einen rechteckigen Raum, lohnt es sich, eine der breiteren Zimmerwände zu verspiegeln, da so ein ungewünschter schlauchartiger Charakter des Raumes vermieden wird. Denn optisch scheint sich der Raum zu der Wand hin zu verdoppeln, an der die Spiegel vom Boden bis zur Decke angebracht werden.

Es gibt ganz offensichtlich eine Menge Tricks und Tipps, mit denen man aus einem kleinen Wohnzimmer schnell einen größer wirkenden Wohlfühlort machen kann, der den eigenen Bedürfnissen und dem individuellen Geschmack entspricht. Bei der Abstimmung von Mustern, Farben und Materialien kann man so ein kleines Wohnzimmer perfekt einrichten.

Marni Hartung
vom Interior Blog Ahoipopoi